Geschichte der Pfarrgemeinde Breitenworbis

A.Kraska, mit Bildern und Texten von U.Eichner und Ph.Knieb
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Den ersten geschichtlichen Nachweis für die Existenz einer Pfarrgemeinde in Breitenworbis liefert eine Urkunde des Klosters Beuren aus dem Jahre 1238, welche unter anderem von einem Pfarrer namens Henricus (plebanus=Pfarrer) aus Breytenworbetze unterschrieben wurde. Das Schriftstück ist zugleich auch erste urkundliche Erwähnung des Ortes sowie Zeugnis für den ersten nachweisbaren Pfarrer von Breitenworbis.

 Siehe auch: Reihenfolge der Pfarrer von Breitenworbis

Der Ort ist wahrscheinlich schon im 8. Jahrhundert von heidnischen Wenden besiedelt worden. Dafür spricht auch, daß der Kirchenbau auf einer heidnischen Opferstätte steht, wie sich Mitte des 19.Jahrhunderts bei Ausgrabungen zeigte. Unter der jetzigen Sakristei (entsprechend dem Standort einer alten Kirche vor 1680) waren Holzkohlen vermengt mit Knochenresten gefunden worden. Die hier seßhaften Heiden wurden, wenn nicht vom Heiligen Bonifatius selber, so doch sicher kurz nach seinem Erscheinen im Eichsfeld, christianisiert.

Die Gemeinde hatte sich schon vor dem Bau der jetzigen Kirche den Heiligen Veit (Vitus) als Schutzpatron ausgesucht. Dieser wird in Deutschland seit der Übertragung seiner Gebeine nach Corvey 836 vor allem in Sachsen verehrt.

Der nächste Nachweis einer Gemeinde in Breitenworbis stammt aus dem Jahre 1336. Eine Schenkungsurkunde des Conrad von Worbis, in dem dieser dem Kloster Reifenstein 3/4 Hufen Land und zwei Baustätten in Breitenworbis schenkt, enthält den Namen des "D.Kirstanus, Plebanus in Breitenworbitze" als Zeugen .

1472 bezeugt ein Henricus Berka als Pfarrer die Schenkung von 3/4 Hufen Land durch Joh. und Adelheid Lentherod aus Breitenworbis an das Kloster Reifenstein.

Das Jahr 1525 brachte den Bauernkrieg und in dessen Gefolge später auch die Reformation nach Breitenworbis. Das Dorf Hugenworbis wurde zerstört, seine Einwohner zogen nach Breitenworbis. Der Adel in Persona derer von Bültzingslöwen sind in den Folgejahren bis 1546 vom Glauben und dem Klerus abgefallen und wurden lutherisch. Die Kirchen- und Pfarrgüter wurden vom eingesetzten Prädikanten dem Adel ohne Vertrag verpachtet. Es ist allerdings nie ein Pachtzins gezahlt worden. Die Gemeinde vereitelte letztendlich die Aneignung von mehr als einer Hufe Kirchenland durch die von Bültzingslöwen. Während dieser Zeit verblieb die Oberhoheit über das Eichsfeld beim Churfürstentum Mainz, was auch von den Pfandinhabern des Amtes Harburg offenbar nicht angegriffenn wurde. Jedenfalls beschwerte sich 1560 das ganze Amt Harburg und auch die Breitenworbiser Gemeinde über Georg von Bültzingslöwen. Eine Churfürstliche Kommission entschied 1561 gegen Georg, der auch das Beste versprach. Allerdings zahlte auch Georgs Sohn Heinrich den Pachtzins nicht. Im Jahre 1573 wurde ein Versuch gestartet, die katholische Religion wieder einzuführen. Der Geistliche Georg Scharf wurde vom Commisarius Kindermann als Pfarrer nach Breitenworbis geschickt. Obwohl in der Gemeinde gut angekommen, musste er wieder gehen, da ihn der Adel nicht duldetete. Die von Bültzingslöwen stellten in der Zeit von 1546 bis zum Winter 1577/78 Prädikanten ein. Der letzte Prädikant, Daniel an Sauer, verstarb in eben diesem Winter. Der Churfürst Daniel von Mainz ergriff die Gelegenheit. Im Jahre 1574 war das an die von Bültzingslöwen verpfändete Amt Harburg durch den Churfürsten wieder eingelöst worden und somit die Gegebenheiten günstig für die Gegenreformation.

Erster katholischer Pfarrer nach der Reformation wurde am 31.Mai 1578 Georg Kaltenhäuser. Er musste gleichzeitig auch die Gemeinden Gernrode und Niederorschel betreuen. 1586 bat er, eines unsittlichen Verhältnisses beschuldigt, um Versetzung, blieb dann jedoch zumindestest bis 1610 Pfarrer von Breitenworbis und Niederorschel. Über seine Gläubigen sagte er 1586, daß sie: "des mehren Theils fromm und gottesfürchtig" seien, "ziemlich häufig zur Predigt und hl.Messe gingen", jedoch "seien etliche räudige Schafe darunter".

Im Jahre 1604 gab es scheinbar schon einen Kirchhof um eine ältere Kirche, zumindest trägt ein Stein der Kirchhofmauer dieses Datum. Der Kirchhof war gleichzeitig "Gottesacker", d.h. Friedhof.

Seit Bartholomäus Petri, der von 1625 (1628?) bis1669 wirkte, ist die Reihe der Breitenworbiser Pfarrer ohne Unterbrechung nachweisbar. Als im Mai 1628 der Dechant Underberg und der Pater Conrad Otto S.J. das Dekanat Kirchworbis besuchten, hatten sie lediglich zu rügen, daß der Pfarrer keine Tonsur trug. Bartholomäus Petri versah zwischenzeitlich (1625-1630) auch die Gemeinde Kaltohmfeld, die hernach wieder lutherisch war. Im Ohmgebirge wurde unter den Herren von Wintzingerode nach dem Westfälischen Frieden der Schutz durch Braunschweig wirksam.

Der Vorgängerbau der heutigen Kirche hatte im Jahr 1645 eine Kirchturmuhr und im Jahre 1648 wenigstens zwei Glocken. Die spätere mittlere Glocke der neuen Kirche wurde auch bereits 1652 in Mühlhausen gegossen.

Das Kirchenvermögen wuchs im 17.Jahrhundert nach dem Ende des 30jährigen Krieges beträchtlich, von 483 fl. im Jahr 1646/47 auf 1280 fl. im Jahr 1680. Zur Pfarrstelle gehörten 1675 um die 4 Hufen Land und 4,5 Acker Wiesen. Davon war die Hälfte verpachtet. Von 1670-1679 ist Heinrich Bergmann Pfarrer in Breitenworbis, in seine Zeit fällt auch der Baubeginn (1674) der neuen Kirche. Während 1675 die Arbeiten ruhten, wurde 1676 ein Ofen zum Kalkbrennen gebaut. Das Holz für den Ofen holte man vom Mittelberge, das Holz selbst schenkte offensichtlich der Churfürst. In den Jahren 1677/78 ruhte der Bau wieder. Aus dem Jahr 1679 gibt es keine Baurechnung, 1680 wurde ein Bauvertrag mit dem italienischen Baumeister Antonio Petrini ausgehandelt und der alte Turm von einem Aurin Nehse abgerissen. Der Bauvertrag mit Petrini wurde am 1.März 1681 geschlossen. Die Hauptsteine wurden in Brehme gebrochen, einiges stammt aber auch vom Mittelberg. Aus dem Jahr 1682 fehlt leider wieder die Baurechnung. 1683 wurde das Chorgewölbe aus Tuffstein vollendet, das Brettergewölbe eingebaut und die Kirche innen geweißt. Daß das Dach schon auf der Kirche war, beweist auch eine Restzahlung an die Ziegeldecker aus Beuren. In den Folgejahren 1684 und 1685 ist hauptsächlich am Turm gearbeitet worden. Tag der Kirchweihe durch den Weihbischof Johann Daniel Gudenus von Erfurt ist wohl der 26.Juni 1685. Als Kirchenpatron wurde der Heilige Vitus beibehalten. In den Folgejahren waren noch Restarbeiten zu erledigen, z.B. ein vergoldeter Turmknopf mit Kreuz und Fahne, Fenster, Kirchenbänke, Überbau der Turmgalerie, Tabernakel usw. Die Kanzel wurde 1698 von Meister Hans Martin Berg aus Heiligenstadt gefertigt. Der größte Teil der Baukosten, mehr als 1600fl., wurden durch die Gemeinde und ihre Mitglieder getragen.

In den Jahren des Kirchenbaues wechselte die Verwaltung der Pfarrei auffällig häufig, nicht weniger als sieben Verwalter sind genannt. Letzter in dieser Reihe war Johannes Junge ab 1687, welcher am 12.August 1697 starb. Sein Grabstein ist in die Kirchenwand eingemauert.

Das älteste Klüschen (Bildstock) des Ortes ist wohl das "Meisklüschen" auf halbem Wege zwischen Breitenworbis und Gernrode. Der Name "Meis" ist eine Verstümmelung von Jeremias und erinnert daran, daß es von Jeremias Grosse, der 1698 starb, errichtet wurde.

Das eigenartige Deckengemälde am Tonnengewölbe der Kirche wurde 1692 durch einen unbekannten Maler geschaffen. Es steht heute unter Denkmalschutz.

Bereits 1708 hat die Kirche eine Orgel gehabt, denn ein Burchard Jacobi wird in den Kirchenbüchern als "organoedus", also Organist, genannt. Eine neue Orgel wurde 1726 für 100 Taler angeschafft, im 19.Jahrhundert jedoch "kaputtrepariert" und 1875 völlig umgebaut.

Die erste "Mission" fand 1714 statt, war eine "päpstlich und erzbischöflich mainzische" und dauerte daher eine ganze Woche. Die nächsten Missionen waren dann im 18. und 19. Jahrhundert in den Jahren 1734, 1766, 1851, 1863, 1872 und 1888. Die Missionsdaten sind heute auf einer Holztafel über dem Eingang zur Sakristei zu sehen.

Der Hochaltar, einer der größten des Eichsfeldes, wurde im Jahre 1728 von Meister Jakob Geburtzky geschaffen. Gestiftet hat ihn der kaiserliche Rittmeister Nikolaus Heinrich Rost, der auch in der Kirche begraben liegt.

Seit dem Jahre 1729 werden zu den Bittagen Prozessionen abgehalten, am Montag nach Gernrode, am Dienstag nach Breitenworbis, und am Mittwoch nach Kirchworbis.

Unter dem Siebenjährigen Krieg in den Jahren 1756-1763 hatte das Eichsfeld stark zu leiden. Ob nun Franzosen, Preußen, Hannoveraner oder Hessen - der Gemeinde und seinen Bewohnern wurden schwere Lasten in Form von Abgaben gleich welcher Form, ob Geld, Vieh, Frucht oder Rekruten, aufgebürdet. Wie Knieb schreibt: "Private und Gemeinde hatten nicht genug Geld und mussten Schulden machen...". Die Folgejahre waren auch nicht besser: von 1771-1773 gab es Mißernten und so verhungerten viele Breitenworbiser, unter anderem auch der Kaplan Joh. Heinrich Schwanstecher 1772 und der Pfarrer Christian Vogt 1773. Dabei hatte dieser 1772 noch in das Schicksal der Gemeinde eingegriffen: Am 16.Oktober 1772 brach ein großes Feuer in der Langen Gasse (Lange Str.) aus. Pfarrer Vogt segnete das Feuer mit der Monstranz und dieses legte sich auch glücklicherweise. Die Gemeinde gelobte, alljährlich am Fest Maria Heimsuchung eine Wallfahrt nach Breitenholz abzuhalten und vier Wachslichter zu opfern.

1796 besetzten die Franzosen Mainz, der Churfürst flüchtete ins Eichsfeld und später nach Aschaffenburg, wo er am 25.Juli 1802 starb. Acht Tage später nahm Preußen vom Eichsfeld Besitz. Das Jahr brachte auch Breitenworbis selbst nichts Gutes: von März bis Juni starben 25 Kinder an den Pocken.

1851-1856 wurde in der Kirche das obere Mannhaus errichtet und die Orgel nach oben gesetzt. Dazu schreibt Pfarrer Philipp Knieb in seiner Chronik von Breitenworbis: "...ein höchst unglückliches und verhängnißvolles Werk, denn in den vielen Ecken und Winkeln hört der Unfug nicht auf, und die Männer, welche unter ihm ihren Platz haben, können von der Predigt nichts mehr verstehen".

Unter dem Pfarrer Joh. Michael König ließ die Gemeinde 1861 von einem Meister Apel aus Nordhausen eine Turmuhr mit zwei Ziffernblättern einbauen. Die gemalten Fenster des Chorraumes stammen aus dem Jahre 1864. Sie wurden von Oidtmann aus Linnich hergestellt und zeigen die Auferstehung Christi, Christus erscheint der Hl.Magdalena, und die Taufe Christi. Ursprünglich waren an der Stelle von einem Fenster zwei übereinander angeordnet. Pfarrer König war ein Jugendfreund des Bekennerbischofes Conrad Martin, welcher selber 1859 und 1873 zur Firmung sowie 1863 und 1868 zum Fest des Hl.Vitus am 21.Juni in Breitenworbis weilte. Pfarrer König wurde auch in den Kulturkampf verwickelt, den der preußische Staat gegen die Kirche führte und in dessen Folge er 1876 erkrankte und starb.

Von 1866 bis 1877 waren Heiligenstädter Schulschwestern in der Gemeinde als Lehrerinnen an der Mädchenschule tätig. Später wandt man sich der Kinderbetreuung sowie der Armen- und Krankenpflege zu, zuerst ab 1901 in der Langen Strasse 8, ab 1907 dann im neu erbauten Krankenhaus in der Schenkgasse.

Der jetzige Friedhof an der Halle-Kasseler Strasse wurde im letzten Viertel des 19.Jahrhundert eingerichtet, weil der Gottesacker an der Kirche nicht mehr ausreichte. Die Zugehörigkeit zur politischen Gemeinde Breitenworbis wurde vom damaligen Schulzen Adam gegen den Pfarrer König durchgesetzt. Die südliche Hälfte wurde 1882 geweiht.

Die Verhältnisse in der Gemeinde am Ausgang des 19 Jahrhunderts beschreibt Knieb 1897 so: "Die Gründung und Erhaltung religiöser Vereine wird hier nämlich erschwert durch die herrschende Armuth, ganz besonders aber dadurch, daß ein recht großer Theil der Erwachsenen fast das ganze Jahr ortsabwesend ist". Zehn Jahre später, 1907, wird eine neue Turmuhr mit vier Ziffernblättern und 2 Uhrglocken eingebaut.

Der erste Weltkrieg 1914-1918 fordert viele Verwundete, Tote und Vermißte. Im Juli 1917 werden zwei Glocken für Kriegszwecke abgenommen und zerschlagen. Erst 1922 können zwei neue Glocken angeschafft werden. Im gleichen Jahr wird auch der katholische Kindergarten hinter dem Krankenhaus neu eröffnet.

Unter Pfarrer Rode wird im Jahr 1935 die Kirche innen erneuert: der Estrich auf dem Fussboden wird mit Holz überlegt und das Kirchenschiff erhält neue Bänke.

1940 werden wieder die beiden größten Glocken zu Kriegszwecken abgenommen, nur die kleine Bronzeglocke blieb übrig.

Im Jahre 1949 wurden die bunten Fenster des Chorraumes in Quedlinburg angefertigt und ersetzten die Vorgänger.

Unter Pfarrer Aust wird 1953 die Pfarrscheune in das Pfarrheim umgebaut. Im gleichen Jahr wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das erste Osterkreuz aus Birkholz gesetzt. Während am Tage das Holz von Karl Rudolf mit seinem Lanz zur Osterkuppe geschafft wurde, erfolgte die Einweihung bei Dunkelheit durch den damaligen Kirchworbiser Pfarrer. Einige Jahre später wird ein von Benno Kohl hergestelltes Eisenkreuz gepflanzt.

1956 erhält die Gemeinde vier neue Glocken aus Stahl, sie wiegen 67, 31, 23 und 15 Zentner. Die kleine Bronzeglocke wurde an die Gemeinde in Birkungen gegeben.

Das wertvollen Deckengemälde am Tonnengewölbe wurde im Jahre 1966 vollständig restauriert, ausserdem wurden die Seitenaltäre abgebaut, da sie baufällig waren. Im selben Jahr erfolgte die Abstufung des mittleren Mannhauses, der Bau neuer Bankreihen und die Deckenverkleidung durch den Tischlermeister Oskar Bötticher, (Helfer waren Theodor Begau u. Ulrich Eichner). Mit dieser Maßnahme wurde die Sicht zum Altarraum verbessert.

1967 wurde von der Firma Schuster aus Zittau eine neue (dritte) Orgel eingebaut mit 26 Registern. Es handelt sich um eine mechanisch gesteuerte Schafflandorgel mit zwei Manualen und Pedal. In dem Gutachten über die Orgel von Kirchenmusikdirektor Kümpel aus Erfurt heißt es: "Die neue Orgel von Breitenworbis ist nicht das größte Werk des Eichsfeldes, aber sie ist klanglich die schönste Orgel, die dort zur Zeit zur Verfügung steht." Der Kreuzweg an den Kirchwänden stammt auch aus dem Jahre 1967 und wurde vom Maler Joseph Richwin geschaffen.

Im Jahre 1980 fand eine größere Renovierung der Kirche statt. Da der in den dreißiger Jahren gelegte Holzfussdoden wegen der fehlenden Isolierung faul war, wurde die ganze Kirche ausgeschachtet und mit 50 cm Kies aufgefüllt. Die Gänge und der freie Platz vor dem Chor wurden mit Kunsttravertinplatten ausgelegt. Ausserdem musste die 1949 eingebaute Lamperie an den Wänden erneuert werden. Die Kirchenbänke waren vom Holzwurm befallen, es erfolgte eine Sanierung.

Im Jahr 2000 wurde ein neuer Himmel für die Fronleichnams- und Kirmesprozessionen angeschafft.

Nach 1949 und 1972 wurde im Jahre 2001 der Turm mit neuen Schiefer versehen. Weiterhin wurde der Aussenputz der Kirche in Eigeninitiative durch örtliche Vereine entfernt. Die Sanierung der Außenwände und die Verschieferung des Turmes wurden von den Fa. Holzapfel aus Worbis durchgeführt. Die Aussenwände der Kirche erhalten ein neues Dekor und der Kirchhof ansich wird in den Folgejahren gänzlich umgestaltet.